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BeMoVe – Beteiligungsbasierte Transformation aktiver Mobilität für gesundheitsfördernde Stadt- und Verkehrsinfrastrukturen

BeMoVe – Beteiligungsbasierte Transformation aktiver Mobilität für gesundheitsfördernde Stadt- und Verkehrsinfrastrukturen

Stadt Essen, Sascha Kreklau
©Stadt Essen, Sascha Kreklau

Ausgangssituation & Forschungsfragen

Die Stadt Essen verfolgt das Ziel, einen 4x25 % Modal Split bzw. 75 % im Umweltverbund bis 2035 zu erreichen. Eine nachhaltige Verkehrsentwicklung ist nicht allein über rein technische Verbesserungen oder einen effizienteren Ressourceneinsatz zu erreichen, denn das individuelle Mobilitätsverhalten spielt eine entscheidende Rolle, so dass Strategien des Vermeidens von Verkehr sowie des Verlagerns auf umweltverträgliche Verkehrsmittel ebenfalls in den Blickpunkt geraten. Die übergeordnete Frage lautet: Wie kann eine Mobilitätswende in Essen gelingen und welche Bedingungen in der Stadtgesellschaft führen zu einer Veränderung der Mobilitäts- und Planungskultur?

Der Begriff Mobilitätskultur schließt sowohl die Infrastruktur- und Raumgestaltung als auch Leitbilder und verkehrspolitische Diskurse, das Verhalten der Verkehrsteilnehmer und die dahinterstehenden Mobilitäts- und Lebensstilorientierungen ein.

Hier soll mit einer zielgerichteten Analyse transformativer Realexperimente und der Stadtgesundheit Erkenntnisse zu Auswirkungen alternativer Aufteilungen des öffentlichen Raums auf die Lebensqualität und die akustische Wahrnehmung gewonnen werden. Durch die reale Erprobung innovativer, nachhaltiger Maßnahmen können Verhaltensmuster aufgebrochen und neue Perspektiven geschaffen werden. Dabei wird eine salutogene Sichtweise genutzt, um in der Stadtentwicklung Gesundheit explizit zu fördern und zu erhalten.

Projektansatz & Vorgehensweise

Der Projektansatz ist eine anwendungsorientierte und transformative Forschung zur sozial-ökologischen Transformation urbaner Mobilität. Im Zentrum steht die Entwicklung und Durchführung von urbanen Reallaboren, die öffentliche Räume und Verkehrswege transformieren und sie nachhaltig auf Aufenthaltsqualität und Mobilität für Alle auslegen. Die Reallabore finden in zwei Stadtgebieten (Urban Sustainable Districts) statt und werden zweiteilig partizipativ entwickelt. Ein Ziel der Realexperimente ist es, stadträumliche Veränderungen sowie zukünftige Mobilitätsangebote in einem modernen Partizipationsansatz für Bürger:innen sichtbar und erlebbar zu machen. Die Reallabore erproben und evaluieren Maßnahmen zur Reduktion örtlicher MIV-Verkehre und zur Förderung der aktiven Mobilität durch Verbesserung von Walkability und Bikeability.

Insbesondere der Fußverkehr, als inklusivste Form der Fortbewegung, soll hierbei in den Fokus rücken. Ideen zur temporären Neuaufteilung des Straßenraums, darunter (modales) Sperren von Straßen für den Autoverkehr, innovative Nutzungen zur Steigerung der Attraktivität und des Klimaschutzes (Cool Streets, mobiles Grünes Zimmer, Urban Gardening, Parklet etc.), die Einrichtung von Quartiersgaragen und temporären quartiersnahen Mobilstationen oder die Entwicklung von Premiumachsen für den Fußverkehr, werden gemeinsam mit dem in Phase 1 aufgebauten Netzwerk und weiteren Akteuren in aufeinander aufbauenden Workshops ausgearbeitet.

Eine Besonderheit ist dabei ein Fokus auf die urbane Akustik und positive Geräuschwahrnehmung (Soundscape-Konzept). Dazu werden in den ausgewählten Bereichen die Klangkulisse sowie die subjektive Wahrnehmung von Lärm, Klang, Raum und Licht mittels Sensorik erfasst und analysiert.

Mit dem assoziierten Partner Universitätsklinikum Essen wird zusätzlich ein Nudging Ansatz zum nachhaltigen betrieblichen Mobilitätsmanagement umgesetzt. Die kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung gewährleistet eine umfangreiche systematische Dokumentation und Evaluation der Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten, den Verkehr und die Lebensqualität.

Das Projekt fördert durch ihre Partnerkommunen die Übertragbarkeit von Ergebnissen und Erkenntnissen auf Städte mit ähnlicher Verkehrs- und Mobilitätsproblematik.

Projektziele & zu erwartende Ergebnisse

Ziel des Vorhabens ist es, zu erforschen, wie eine Mobilitätswende in Essen gelingen kann und welche Bedingungen eine Verhaltensänderung der Stadtgesellschaft herbeiführen. Durch die reale Erprobung innovativer, nachhaltiger Maßnahmen können Verhaltensmuster aufgebrochen und neue Mobilitätskulturen geschaffen werden. Im Ergebnis sollen Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots und Ausbaus der Infrastruktur genau wie freiwillige Veränderungen mobilitätsbezogener Verhaltensweisen dauerhaft realisiert werden.

Die Ergebnisse der zweiten Forschungsphase fließen in den Essener Mobilitätsplans 2035 ein. Sie sind damit von großer Bedeutung für die weitere Gestaltung einer zukunftsfähigen, gerechten, emissionsarmen und flächenreduzierten Mobilität. Insbesondere der Fußverkehr als eigenständiger Baustein der Mobilität erfährt zu selten Beachtung in Mobilitätskonzepten und wird daher stärker in den Fokus gerückt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Reduktion von motorisiertem Verkehr in Wohnquartieren. Gezieltes Mobilitätsmanagement für Verkehrgenerierende Großinstitutionen trägt dazu bei, neue Denkmuster anzustoßen, An- und Abfahrten abzubauen und Parksuchverkehre zu reduzieren.

 

Laufzeit
01.07.2021 – 30.06.2024

Projektkoordination
Stadt Essen, Grüne Hauptstadt Agentur
Kai Lipsius, Kai.Lipsius@gha.essen.de