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GenoMobil – Genossenschaften als Organisationsform für eine sozial-ökologische Transformation integrierter Mobilität

GenoMobil – Genossenschaften als Organisationsform für eine sozial-ökologische Transformation integrierter Mobilität

GENOMOBIL – Dekanat der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, RUB
GENOMOBIL – Dekanat der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, RUB

Ausgangssituation & Forschungsfragen

An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wird seit 2011 an einer Mobilitätsstrategie gearbeitet, die den Campus von Pkw entlasten und die Erreichbarkeit des Campus und der Außenstellen verbessern soll. Als innovatives Konzept für integrierte Mobilität gilt Mobility as a Service (MaaS), dessen Grundlage digitale Plattformen als Marktplätze zur Vermittlung zwischen Mobilitätsangebot und -nachfrage sind. Bei gewinnorientierten MaaS-Anbietern stellt sich aufgrund der potenziellen Vernach-lässigung margenschwacher nicht-motori-sierter Verkehrsformen die Frage, ob sie tatsächlich zu den Umweltverbesserungen führen, die man sich erhofft.

Dieses Forschungsprojekt entwickelt ein Konzept für eine Mobilitätsgenossenschaft als MaaS-Anbieter mit dem Ziel die individuelle Mobilität von sozial schwächer gestellten Gruppen (z.B. Studierende) zu gewährleisten sowie den motorisierten Verkehr zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund ergeben sich unter anderem folgende Forschungs-fragen:

  1. Wie kann ein Geschäftsmodell einer Mobilitätsgenossenschaft aussehen?
  2. Wie lassen sich psychologische Barrieren durch partizipativ organisierte Genossenschaften ver-ringern?
  3. Durch welche sozialen Aktivierungs-maßnahmen lässt sich die Akzeptanz für eine multimodale Mobilität fördern?
  4. Wie lässt sich das Genossenschafts-konzept auf andere Kontexte über-tragen? Wie wirken sich Mobilitäts-genossenschaften auf die Ausge-staltung von Verkehrssystemen aus? Wie entwickelt sich langfristig der Pkw-Besitz und gibt es Effekte für unterschiedliche Zielgruppen?
  5. Welchen Einfluss haben Ein-stellungen und Mobilitätskulturen bei der Verkehrsmittelwahl?

Projektansatz & Vorgehensweise

Ein zentraler Beitrag des Projekts ist die ganzheitliche Betrachtung von Governance-Fragen. Eine Genossenschaft verbindet die privatwirtschaftliche Nachfragebedienung mit der Verfolgung gemeinschaftlicher Ziele durch ein integriertes Mobilitätskonzept aus der Hand eines Akteurs. Dies stellt ein fundamental anderes Governance- Modell dar als die Kooperation gewinnorientierter Mobilitäts-unternehmen.

In ersten Arbeitsschritten werden die ökonomischen und organisatorischen Voraussetzungen einer Mobilitätsgenossen-schaft untersucht, die verkehrs- und raumwissenschaftliche Perspektive auf die lokalen Bedingungen erörtert sowie eine Bedarfsanalyse zur Mobilitätsnutzung in den Zielgruppen durchgeführt.

Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse, wird im Rahmen einer Realsimulation die Gründung einer Mobilitätsgenossenschaft als Planspiel erforscht. Dabei werden in einer

Reihe aufeinanderfolgender Realexperi-mente unterschiedliche Aspekte und Prozesse der Initiierung und des Betriebs einer Mobilitätsgenossenschaft mit Mit-gliedern der RUB und Beschäftigten auf dem Technologie- und Wissenscampus Mark 51°7 simuliert. So wird im Rahmen eines Realexperiments der Ansatz der sozialen Aktivierung auf die Organisationsform einer Mobilitätsgenossenschaft an einer Uni-versität übertragen. Weiter werden in Realexperimenten die Entscheidungs-findungs- und Abstimmungsprozesse während einer Genossenschaftsgründung sowie die Nutzung mobilitätsgenossen-schaftlicher Angebote anhand realer Fahrzeuge simuliert.

Im Anschluss werden die Ergebnisse evaluiert, die Übertragbarkeit auf andere Orte und Kontexte unter anderem anhand eines agentenbasierten Modells untersucht und ein Handlungsleitfaden für die Gründung einer Mobilitätsgenossenschaft erstellt. Flankiert werden alle Arbeitsschritte durch ein Konzept zur kognitiven Wissensintegration.

Projektziele & zu erwartende Ergebnisse

Die Ergebnisse des Projektes sollen nicht nur in diesem speziellen Kontext verwendbar sein, sondern mit Hilfe eines Handlungsleit-fadens auch Akteuren in anderen Kontexten bei der Gründung einer Mobilitätsgenossen-schaft zur Verbesserung lokaler Bedin-gungen unterstützen. Die Realsimulation einer Mobilitätsgenossenschaft soll neue Perspektiven für eine sozial-ökologische Transformation der Mobilität im Ruhrgebiet und andernorts eröffnen.

Laufzeit
01.01.2021 – 31.12.2023

Projektkoordination
Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Michael Roos
Tel.: 0234 / 32 - 22886
E-Mail: michael.roos(at)rub.de